Über die Arbeitsstelle

Die Arbeitsstelle für Toleranzforschung ist eine außeruniversitäre, wissenschaftliche und interdisziplinäre Einrichtung zur Förderung der Toleranz- und Intoleranzforschung im deutschsprachigen Raum (Österreich, Schweiz und Deutschland).

Derzeit gibt es keine institutionalisierte Kooperation, keine Kommunikationsplattform zwischen den und für die verschiedenen Disziplinen, die sich mit “Toleranz” und “Intoleranz” wissenschaftlich beschäftigen: Politik- und Sozialwissenschaften, Sprach- und Literaturwissenschaften, Philosophie, Anthropologie, Ethnologie, Kulturwissenschaften, Geschichtswissenschaften, Theologie, Religions- und Missionswissenschaften, …


Büste des Gottes Ianus in den Vatikan. Museen (Foto: F. Obfusco © 2003)

Toleranz und Intoleranz

Toleranz hat noch eine andere – eine “dunkle” – Seite: die Intoleranz. Wertneutral gesagt sind es zwei Seiten einer Münze oder zwei entgegengesetzte Gesichter, wie sie durch den römischen Gott Ianus in ihrer ganzen Zwiespältigkeit verkörpert werden. Darum möchte ich Ianus, den Sonnen- und Lichtgott, dann Schutzherr des Anfangs und Ursprungs, zum Schutzgott der Toleranz- und Intoleranzforschung ausrufen.

“Zukunft braucht Herkunft” ist eines der philosophischen Prinzipien, die Odo Marquard (Stuttgart 2003 et al. loc.) richtungweisend geprägt und uns ins Stammbuch geschrieben hat – und die für die Toleranzforschung fruchtbar gemacht werden kann:

• Ianus blickt nach links und nach rechts, nach “hieben” und nach “drieben”: Dies repräsentiert den Diskurs, ein Abwägen von Argumenten, aber auch den Dissens, das “Schubladendenken”, und repräsentiert so (reflektierte) Toleranz und Intoleranz;

• Ianus blickt nach vorn und blickt zurück: “Zukunft braucht Herkunft”: der Mensch muß sich als endliches Wesen im Lauf der Zeiten “seiner (Geschichte) selbst vergewissern”. Wir existieren nicht ohne die Anknüpfung an die Vergangenheit – das, was vor uns war -, haben ohne die Anknüpfung keine Zukunft, weil wir uns nicht “neu erfinden” können (nihil novum sub sole). Wir ernten, was andere säten und wir säen, was andere ernten werden; Ianus als Erfinder des Ackerbaus wird mir da sicher recht geben.- Wenn Toleranz die Zukunft der Menschheit bedeutet, also ohne Toleranz die Menschheit keine Zukunft hat und Intoleranz der Vergangenheit angehören soll, müssen wir die Vergangenheit ebenso im Blick behalten wie die Zunkunft.

• Toleranzforschung und Intoleranzforschung
Wer nach Toleranz forscht, hat mehr zu tun – denn Intoleranz findet man überall, Toleranz nur selten. Tatsächlich müßte die optimistische Toleranzforschung eigentlich realistisch Intoleranzforschung geheißen werden; denn Intoleranz ist die Regel, Toleranz die Ausnahme (und ich erlaube mir, hier einen reichlich diffusen Begriff von Toleranz zu verwenden).- Allerdings ist von einer deutsch(sprachig)en Disziplin der Toleranz-Forschung weit und breit nichts zu sehen, wie ist es erst um die Intoleranz- Forschung bestellt? Im Grunde ist, wenn wir von “Toleranz in/bei/für …” sprechen, die “Intoleranz” immer auch/nur mitgemeint, ein Befund, den man aus anderen Diskussionen kennt. Darum ist es meiner Meinung nach richtig, auch eine Toleranz-gerechte Forschung zu betreiben, also gerechterweise Toleranz und Intoleranz zu nennen und zum Gegenstand der Forschung zu machen.

Die Arbeitsstelle für Toleranzforschung ist also eine Arbeitsstelle für Intoleranzforschung und Toleranzforschung, ganz dem Ianus-Prinzip entsprechend. Trotzdem – dum spirant sperant – benennt und bekennt sich die Arbeitsstelle hoffnungsfroh und optimistisch (sowie dem Grundsatz der sprachlichen Ästhetik und Ökonomie verpflichtet) zur Toleranzforschung, denn Ziel einer solchen Forschung ist es, wenn Toleranz ein Wert ist, die Bedingungen der Möglichkeit für Toleranz auszuloten und in ihren Facetten darzustellen.

Mit der Arbeitsstelle für Toleranzforschung ist eine Chance verwirklicht (wenn auch in momentan bescheidenem Umfang), die Ergebnisse aller für das Thema “Toleranz” relevanten Wissenschaften, die in den fachspezifischen Organen publiziert wurden und werden, bibliographisch zentral zu erfassen und somit einem interdisziplinären Austausch zugänglich zu machen. Die fortlaufende und stets aktuelle sog. “Cannstatter Bibliographie zur Toleranz- und Intoleranzforschung” wird der Ort für diese bibliographische Erfassung und Auswertung nationaler und internationaler Publikationen sein.

Durch – mittelfristig – eigene Publikationen regt die Arbeitsstelle für Toleranzforschung zur interdisziplinären Forschungs- und Bildungsarbeit an, die auch – langfristig – durch persönlichen Austausch bei durch die Arbeitsstelle organisierten Kolloquien und Tagungen erfolgen soll. (Autor: Joachim Losehand © 2007)

 Termine 2011

Derzeit sind keine Termine anzukündigen.